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Ehrenmorde 2016

Scharare A.

geboren: 1970
erstochen: 25. Oktober 2016
Wohnort: Münster
Herkunft: Afghanistan
Kinder: 3
Täter: ihr Exmann Golam A. (zur Tat 55 J.)

Scharare wird mit 14 Jahren von ihren Eltern in Afghanistan an einen knapp 10 Jahre älteren Mann verheiratet. Sie bekommt mit 15 Jahren einen Sohn, danach eine Tochter. Mitte der 1980er Jahre kommen die vier nach Deutschland, Golam studiert Architektur in Dortmund. 1993 schließt er das Studium ab. Weil er will, dass seine Familie in einem islamischen Land lebt, zieht man in den Iran. Dort kommt noch ein Kind zur Welt. Etwa 10 Jahre später kehrt die Familie zurück nach Deutschland. Sie ziehen nach Münster.

Scharare macht eine Ausbildung zur Bauzeichnerin und arbeitet. Golam fährt Taxi. Die Familie nimmt die deutsche Staatsbürgerschaft an. 2012 trennt Scharare sich. Golam droht, die Familie umzubringen, geht dann aber nach Kabul zurück und arbeitet dort. Scharare zieht ins Haus ihrer Tochter. Ihre Adresse soll aber geheim bleiben. 2013 wird die Ehe geschieden. Allerdings kann man dem Mann die Scheidungsurkunde nicht zustellen.

Im Mai 2016 kommt er wieder nach Münster, droht wieder und ersticht schließlich am 25. Oktober seine Exfrau in ihrer Wohnung. Zusätzlich zerschneidet er ihr Gesicht bis zur Unkenntlichkeit. Als Strafe für ihren "Ungehorsam" schneidet er ihr Nase und Lippen ab. In blutiger Kleidung klingelt er bei Nachbarn, damit sie die Polizei rufen. Er lässt sich widerstandlos festnehmen.

Scharare stirbt im Krankenhaus.

Im April 2017 beginnt der Prozess vor dem Landgericht Münster. Der Angeklagte schweigt. Seinem Anwalt zufolge ginge ihm jedoch "alles sehr nah". Im Juni wird Golam zu lebenslanger Haft verurteilt. Als Motiv sieht das Gericht, dass das Opfer sich nicht dem patriarchalischen Lebensstil des Täters unterordnen wollte und dafür bestraft werden musste.

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