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Ehrenmorde 2004

Kemal

geboren: 1977
erstochen: 12. Oktober 2004
Wohnort: Esslingen am Neckar
Herkunft: Türkei
Kinder: möglw. 1 Kind in der Türkei
Täter: Özhan Kepenek, der kleine Bruder seiner Freundin, zur Tat 18 J., in Deutschland geboren und aufgewachsen

Dieser Ehrenmord ist der Mord an einem Mann. Das ist selten, kommt aber vor. Zum Beispiel wird auch der Mord am niederländischen Filmemacher Theo van Gogh als Ehrenmord bezeichnet.

Es beginnt damit, dass sich Özhans Schwester Filiz Kepenek und ihr Mann (die zwei gemeinsame Kinder haben) einvernehmlich scheiden lassen wollen. Beide haben bereits neue Partner. Doch Filiz' kleiner Bruder Özhan kann diese Entscheidung nicht akzeptieren. Um sich Respekt in seiner Familie zu verschaffen, will er den 27jährigen neuen Freund seiner Schwester zur Rede stellen. Dann tötet er Kemal mit über 40 Stichen. Am frühen Morgen des 12. Oktobers findet ein türkischer Lebensmittelhändler die Leiche seines Angestellten. Filiz taucht unter.

Im April 2005 wird Özhan zu neun Jahren Haft verurteilt, ein Jahr unter der Höchststrafe im Jugendstrafrecht. Dabei erwähnt der Richter auch das Familiensystem: seit dem frühen Tod des Vater hätte der älteste Bruder das Ansehen der konservativen Familie nach außen hin vertreten. Der Jugendpsychiater hatte eingeschätzt, dass der Junge sich zum Helden machen wollte, der sich für die Familie aufopfert.

Später verfügt das Regierungspräsidium Stuttgart die Ausweisung des Täters. Doch Özhan will nicht in die Türkei und wehrt sich im Juli 2008 dagegen mit dem Argument, es bestehe ja keine Wiederholungsgefahr. Außerdem fühle er sich an seine Familie gebunden.

Es gibt viele Fälle, in denen Ehrenmörder offen zugeben, dass sie keinerlei Respekt vor dem deutschen Gesetz haben. Wenn es ihnen aber selbst nutzt, ziehen sie oder ihre Familien schnell vor Gericht. Im Fall Özhan allerdings scheiterte die Klage am Verwaltungsgericht Stuttgart. Es entschied im August 2008, dass der Mörder abgeschoben werden darf.

Doch es kommt anders: Im März 2010 kommt Özhan frei und klagt vor derm Verwaltungsgerichtshof. Er darf nun bis zum Ende seiner Bewährungszeit 2013 in Deutschland bleiben - wenn er keine schwere Straftat begeht. Allerdings will er nun eine Deutschtürkin heiraten und eine Familie gründen, was auch die Abschiebung bei künftigen Straftaten erschwert oder unmöglich macht. Ganz zu schweigen von der Gefahr, die für seine Ehefrau und mögliche Töchter entsteht.

Da Özhan die letzten Jahre im Gefängnis verbracht hat, kann man annehmen, dass seine Familie eine Braut mit deutschem Pass für ihn gesucht hat.

Links

www.bild.de
www.europenews.dk (in Teil 1 des Films)

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