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Ehrenmorde 2011

Nevin und Leyla C.

geboren: 1966, 1989
erschossen: 4. August 2011
Wohnort: Berlin-Wedding
Herkunft: Türkei/Kurden
Kinder: Nevin ist die Mutter von Leyla (mind. 2 weitere erwachsene Kinder)
Täter: Mehmet Yildirim (zur Tat 25 J.)

Bereits während seiner vierjährigen Ehe wird Mehmet Yildirim gewalttätig. Seine Frau Feride arbeitet in seinem Imbiss mit. Er betrügt sie mit einer Nachbarin (oder belästig eine Nachbarin). Daraufhin lässt sich seine Frau 2010 scheiden. Das will er nicht akzeptieren. Er verfolgt und bedroht sie und ihre Familie, daraufhin erwirkt sie ein Näherungsverbot. Eine Schwester zeigt ihn wegen Nötigung an.

Am 4. August 2011 stoppt Mehmet auf offener Straße ein mit 5 Personen besetztes Auto. Er schießt auf den Fahrer. Dann geht er um den Wagen herum und schießt ins Innere. Er trifft Mutter Nevin und die Schwester seiner Exfrau. Beide sterben, der ebenfalls getroffene Bruder Ferit (27 J., der Fahrer) wird schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Ein weiterer Mann (wohl der Verlobte der Schwester) im Auto bleibt unverletzt, ebenso wie die Exfrau des Täters (24 J.).

Mehmet flieht zu Fuß und wird europaweit zur Fahndung ausgeschrieben. Es heißt, er spricht sehr schlecht Deutsch. Feride wird an einen geheimen Ort gebracht. Die anderen Überlebenden der Familie bekommen Polizeischutz.

Zwei Tage später wird Mehmet in Berlin gefasst.

Es gibt viele Anzeichen für einen Ehrenmord, zum Beispiel die öffentliche Inszenierung, die Trennungssituation und die frühere Gewalttätigkeit. Genau genommen aber ging es Mehmet nicht um die Macht über Nevin und Leyla, sondern um die Macht über seiner Exfrau. Er hat „die Falschen“ getroffen.

Später stellt sich heraus, dass Mehemt zunächst illegal nach Deutschland kam. Er beantragte Asyl. Das wurde abgelehnt. Stattdessen heiratete er eine türkischstämmige Frau. In den Jahren der Ehe lernte er kein Deutsch, nahm an keinem Integrationskurs teil. Nach der Scheidung musste er das Land verlassen. Er rief die Härtefallkommission des Berliner Senats an und erhielt einen Beratungstermin. Er erscheint aber nicht, sondern erschießt am selben Tag die beiden Frauen. Auch das ist nicht ganz ungewöhnlich für einen Ehrenmörder: keinerlei Achtung vor dem Rechtsstaat zu haben, und trotzdem sofort gewillt zu sein, ihn anzurufen, wenn es um eigene Belange geht. Im April 2012 beginnt der Prozess vor dem Landgericht Berlin. Im August wird Mehmet zu lebenslanger Haft verurteilt. Die besondere Schwere der Schuld wird festgestellt.

Links

www.welt.de
www.zeit.de
www.spiegel.de

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