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Ehrenmorde 2009

Gülsüm Semin

geboren: 1989
erschlagen: 2. März 2009
Wohnort: Rees (Nähe Krefeld)
Herkunft: Türkei/Kurden
Kinder: keine
Täter: ihr Drillingsbruder Davut, zur Tat seit 13 Jahren in Deutschland

Gülsüm ist 20 Jahre alt und arbeitet bei Mc Donald's. Ihre kurdische Familie ist 1995 aus der Türkei nach Deutschland gekommen, zunächst als Asylbewerber.

Gülsüm verliebt sich in den 25jährigen Materialprüfer Altin P. Ihre Familie ist gegen die Beziehung. Die junge Frau ist einem Kurden aus ihrem Heimatdorf an der syrischen Grenze versprochen. In Istanbul wird sie 2008 rechtskräftig verheiratet. Aber sie lässt sich scheiden. Daraufhin verspricht man sie einem anderen Verwandten in Hannover (Mehmed, der sich illegal in Deutschland aufhält). Ihr Vater Yussuf (49 o. 52 J.) und ihr Bruder Davut misshandeln sie, einmal wird sie mit gebrochenem Kiefer ins Krankenhaus gebracht. Aber sie erstattet keine Anzeige.

Im November 2008 wird Gülsüm schwanger. Aus panischer Angst vor ihrer Familie treibt sie das Kind ab (wohl im 5. Monat illegal in Amsterdam auf Rat ihrer Schwester). Zurück in Deutschland muss sie erneut ins Krankenhaus. Dadurch erfährt der Vater von der Geschichte.

Zwei Tage nach der Abtreibung lockt der Vater zunächst die Schwester aus dem Haus. Danach holt Davut seine Schwester Gülsüm unter dem Vorwand ab, man wolle gemeinsam nach ihrem gestohlenen Fahrrad suchen. Er fährt sie auf einen Feldweg, stranguliert sie und zertrümmert mit fünf Ästen ihr Gesicht. Gülsüm stirbt an massiven Schlagverletzungen. Davut nimmt ihre Geldbörse mit, wohl um einen Raumbmord vorzutäuschen.

Ende März nimmt die Polizei einen 32jährigen Mittäter fest. Miro, ein Russe, hatte die Männer der Familie Semin im Asylbewerberheim kennen gelernt, wo er selbst auf seine Abschiebung wartet. Zunächst hatte er Davut ein Alibi verschafft: man sei gemeinsam in einer Spielhalle gewesen. Doch die Polizei findet bei Miro eine Jacke, deren Knopf neben der Leiche gefunden wurde.

Kurz danach werden Bruder und Vater festgenommen. Der Bruder gesteht und gibt als Motiv die Familienehre an. Der Vater bestreitet, von der Tat gewusst zu haben.

Doch bei seiner Vernehmung entsteht ein neuer Verdacht: Gülsüms Mutter war nach der Übersiedlung nach Deutschland ums Leben gekommen. Möglicherweise war auch sie Opfer eines Familienverbrechens.

Später wird bekannt, dass Gülsüms Drillingsbruder auf dem Sozialamt vorstellig wurde. Er und sein Vater beziehen beide staatliche Unterstützung. Für Gülsüms Beerdingung in der Türkei beantragt der Mörder den in der Stadt Rees üblichen Betrag von € 1600.

Die Bildzeitung rechnet vor, dass Familie Semin mehr als 300.000 Euro an Sozialleistungen bekommen hat. Sie waren abgelehnte aber geduldete Asylbewerber, die seit 2008 dauerhaftes Bleiberecht in Deutschland besitzen. Ingesamt zeugte der Vater mit seinen beiden Frauen elf Kinder.

Im Prozess stellt sich heraus, dass Miro aus Russland in Wirklichkeit Sahil heißt und aus Aserbaidschan stammt. Das legt nahe, dass er Muslim ist. Desweiteren ist er wegen Drogen- und Waffendelikten bereits in Haft gewesen. Nicht einmal seine Anwälte wussten wohl davon.

Das Landgericht Kleve verurteilt den Vater Ende 2009 zu einer lebenslangen Haftstrafe. Der Bruder bekommt 9.5 Jahre (knapp an der von der Staatsanwaltschaft geforderten Höchst-Jugendstrafe von 10 J.). Sahil/Miro erhält 7.5 Jahre wegen Beihilfe zum Mord.

Der Bundesgerichtshof weist im Juni 2010 die Revisionen der Verurteilten zurück.

Links

www.derwesten.de
www.derwesten.de
www.süddeutsche.de
www.bild.de

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