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Ehrenmorde 2007

Sandra

geboren: 1988
erstochen: 26. Mai 2007
Wohnort: München
Herkunft: Opfer: Deutschland; Täter: Tunesien
Kinder: keine
Täter: ihr Mann Aimen, tunesischer Staatsbürger, zur Tat 24 J., seit einem Jahr in Deutschland

Sandra ist nicht arrangiert verheiratet worden, und sie stammt auch nicht aus einem muslimischen Land. Sie ist Münchnerin und kommt (so weit man das von außen beurteilen kann) aus ganz normalen, guten Verhältnissen. Mit 17 Jahren verliebt sie sich im Tunesienurlaub in einen Animateur und Friseur. Er kommt nach München, die beiden heiraten und wohnen bei Sandras Eltern im Münchner Stadtteil Milbertshofen.

Bald gibt es Ärger. Aimen drangsaliert seine junge Frau. Es geht um Ausgehen, Schulabschluss, Freunde und Freundinnen, Kleidung, Zukunftspläne und ähnliches.

Wegen der ständigen Streitereien zieht Sandra in eine betreute Wohngemeinschaft des Jugendamts im Münchner Stadtteil Lehel. Ihr Mann bleibt bei ihren Eltern.

Als Sandra ihre Abiturklausuren mit Freundinnen feiert, lauert Aimen ihr auf dem Nachhauseweg auf. Am 26. Mai 2007 ersticht er seine Ehefrau im Hausflur mit über zwanzig Stichen und schneidet ihr Hals und Nacken durch.

Nach der Tat flüchtet der Tunesier, wird aber kurze Zeit später gefasst. Als Motiv gibt er an: „Sie hat mir die Ehre genommen. Sie hat es nicht anders verdient.“ Im Laufe der Ermittlungen gibt Aimen aber noch etwas anderes an: Seine knapp sechzigjährige Schwiegermutter hätte ihn sexuell bedrängt. Eine Zeitung berichtet sogar von Zeugen, die die beiden knutschend gesehen haben wollen.

Allerdings kommt es immer wieder vor, dass sich Ehrenmörder mit angeblichen zusätzlichen Liebschaften brüsten. Im Mönchengladbacher Fall aus dem Jahr 2007 hatte der Täter behauptet, ein Verhältnis mit vier Schwestern seiner getöteten Exfrau Rukiye zu haben. Zeitweise hätte er parallel Verhältnisse mit über fünfzig Frauen gehabt. Insofern ist Vorsicht geboten. Es bleibt jedoch zu klären, warum der Mann nach der Trennung weiterhin bei seinen Schwiegereltern wohnen konnte. Im Dezember 2007 erhebt die Staatsanwaltschaft München Anklage. Im März 2008 wird Aimen wegen Mordes an seiner Ehefrau zu lebenslanger Haft verurteilt. Die besondere Schwere seiner Schuld wird festgestellt, sodass er nicht nach 15 Jahren entlassen werden kann.

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