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Ehrenmorde 2010

Ghassan Al-D.

geboren: 1990
Mordversuch: 10./11. November 2010
Wohnort: Berlin-Reinickendorf
Herkunft: Palästinenser/Libanon, Täter: arabischstämmig
Kinder: keine
Täter: die Brüder Abdullah und Mohamad M. (zur Tat 18 u. 23 J., in Deutschland geboren)

Einer der seltenen Ehrenmorde an einem Mann, beziehungsweise, es bleibt bei einem Mordversuch.

Die Brüder Abdullah und Mohamad verprügeln ihre 16jährige Schwester Sara, weil sie ihre Beziehung zu einem vier Jahre älteren Mann nicht akzeptieren. Vor Gericht wird es später heißen, sie hätten die Beziehung als Verletzung der Familienehre angesehen.

Sara hat eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin angefangen und abgebrochen. Insgesamt hat sie 4 ältere Brüder und 1 jüngere Schwester. Alle sind in Berlin geboren, nachdem die Eltern 1978 aus dem Libanon nach Berlin gekommen waren. Da der Vater schwer krank ist, fühlt sich der älteste Sohn Mohamad als Oberhaupt der Familie.

In der Nacht auf den 11. November 2010 zwingen die Brüder Sara unter Todesdrohungen, ihren Freund anzurufen und zu einem Einkaufszentrum zu locken. Dort gehen die Brüder gemeinsam mit einem Komplizen Ayad A. (24 J.) mit einem Messer auf Ghassan los: „Du wirst heute sterben, du hast es verdient, das ist die Ehre, kein Spaß“, brüllt einer der Angreifer, so heißt es später vor Gericht.

Ein weiterer Mann bringt die Kämpfenden auseinander. Möglicherweise wurde dieser „Freund der Familie“ Jamal (40 J.) vom Vater der beiden Brüder geschickt. Ihre Mutter und ihrer Großmutter waren unterdessen mit Sara zum Tatort gefahren und zwangen sie dort, die Tat aus dem Auto mitanzusehen. Später nehmen sie die Tatwaffe mit. Eine Passantin ruft die Polizei, die Mohamad festnimmt. Der Bruder Abdullah stellt sich am nächsten Tag der Polizei. Danach kommt Sara vorübergehend ins Frauenhaus.

Im Juni 2011 beginnt der Prozess um den Mordversuch vor der Jugendstrafkammer des Landgerichts Berlin-Moabit. Die Brüder und auch das Opfer schweigen. Saras Mutter wird zitiert mit dem Ausspruch, ihre Tochter sei eine Schlampe und schuld am Unglück ihrer Brüder. Im Dezember zieht Ghassan seine Anzeige zurück. Offenbar hat es eine außergerichtliche Einigung gegeben. Ghassan und Sara heiraten nach islamischem Recht.

Im Juli 2011 wird Mohamad wegen gefährlicher Körperverletzung zu 3 Jahren und 6 Monaten Haft verurteilt, Abdullah und sein Komplize Ayad zu 2 Jahren und 6 Monaten. In der Urteilsbegründung werden explizit die Tötungsabsicht und ein Ehrmotiv genannt.

Links

www.tagesspiegel.de
www.morgenpost.de
www.berliner-zeitung.de

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